Do. Feb 22nd, 2024

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Kornelius und Theo Neufeld haben in Filadelfia in Radio ZP 30 ihr Buch „Friedensfeld – mennonitisches Siedlerdorf im Chaco“ vorgestellt. Die Fragen stellte Moderator Flavio Regier.

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Nummer vor Dorfnamen

Jedes Dorf der Kolonie Fernheim hat eine Nummer. Für manche Dörfer hat sich nicht der Dorfnamen, sondern die Nummer durchgesetzt. Das gilt ganz besonders für Friedensfeld, das zumeist nur „Nummer fünf“ genannt wird. Die Bürger der Siedler sind die „Fünfer“ oder in Plautdietsch „dee Fiewa“.

Bäuerliches Leben in der Pionierzeit. ©Friedensfeld
Bäuerliches Leben in der Pionierzeit. ©Friedensfeld

Pionierzeit war Überlebenskampf

Sehr viel mehr wissen natürlich Kornelius und Theo Neufeld und ihre Mitstreiter über Nummer fünf. Sie haben die Entstehungsgeschichte der Kolonie recherchiert und aufgeschrieben. Die Pionierzeit sei ein „Überlebenskampf“ gewesen, betonen die Autoren, denn: „Wir hatten ja nichts außer ein paar Werkzeugen“.

Viele kleine „Geschichtchen“

„Viele wunderbare kleine Geschichtchen, die bisher nicht aufgeschrieben waren“, enthält das Buch, sagt Theodor Neufeld. Nicht „aufgeschrieben“ war zum Beispiel die Existenz der Manufakturen. Erstaunlich, dass es in der Anfangszeit und teilweise auch länger eine Gießerei, eine Ziegelei und eine Radmacherei gab, über die es keine schriftlichen Dokumente gibt. Vor 70 Jahren entstand die Kalwa-Fabrik. In Nummer fünf siedelte auch ein Fotograf an, der viele wertvolle Fotos hinterlassen hat. Von ihm gibt es auch die Abbildung des hohen Schornsteins der Ziegelei, sozusagen das Erkennungsmerkmal von Nummer fünf.

Die Buchautoren Theodor und Kornelius Neufeld sowie Moderator Flavio Regier. ©ZP 30
Die Buchautoren Theodor und Kornelius Neufeld sowie Moderator Flavio Regier. ©ZP 30

Krisen und Kontroversen

Spannend ist bestimmt auch das Kapitel über Krisen und Kontroversen – die von außen herangetragenen wie den Chaco-Krieg und die selbst verursachten wie die deutsch-völkisch Auseinandersetzung. Außerdem berichten die Autoren auch über den „ersten Totschlag“ im Dorf, bei dem ein 20-Jähriger erschlagen wurde. Interessant sei, wie der Fall aufgearbeitet und Vergebung möglich wurde, unterstreicht Kornelius Neufeld.

Die Arbeit der Friedensstifter

Im Dorf kamen 25 Familien zusammen, die in der Sowjetunion in unterschiedlichen Gebieten lebten. Obwohl sie durch „Sprache, Glauben und Not“ verbunden waren, gab es auch große Unterschiede zwischen den „einfachen Leuten“ und den selbstbewussten „Kulturleuten“. „Es gab viele Probleme, sogar große Krisen, aber auch immer wieder Leute, die Frieden stifteten“, sagt Kornelius. Schließlich heißt das Dorf nicht zufällig Friedensfeld.

Die erste Missionspredigt

Von Flavio Regier nach Besonderheiten gefragt, sagt Theodor: „In Friedensfeld wurde die erste Missionspredigt gehalten. Hier gab es die erste Missionsstation mit zwei Missionaren.“ Mission war von Anfang an wichtig: „Wenn wir uns nicht um Paraguayer und Indianer kümmern, haben wir hier als Ausländer auch nicht das Recht auf Grund und Boden“, bekräftigt Theodor.

Fünf Autoren

Schwerpunktmäßig haben fünf Autoren recherchiert und geschrieben. Und viele mehr haben ihr Wissen von der Anfangszeit beigesteuert. Herausgeber ist die Dorfgemeinschaft. Das Buch gibt es in der Buchhandlung von Fernheim.

Horst Martens

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