All posts in Asuncion und Osten

In Ciudad del Este dominieren die Motorradkuriere. Foto: Thomas Schmidt

Der wilde Osten – die trügerische Welt von Ciudad del Este

Schmugglercity, El Dorado des Schoppings, Geldwäschezentrum, Zufluchtsort für Radikale, Basisstation für eine Fahrt zu den Iguazú-Fällen – Ciudad del Este ist vieles, aber keine bürgerliche Stadt.

Zwischen Hütten und Palästen

Reportage von 2009, aktualisiert / Text: Horst Martens Wie in einem Brennglas bündeln sich in der Bahía, der Bucht von Asuncion, die sozialen Gegensätze. Auf den gigantischen Glasflächen des modernen Parlamentsgebäudes am Ufer des Paraguayflusses spiegeln sich die vis-a-vis im Überschwemmungsgebiet liegenden armseligen Hütten aus Wellblech, Plastik und Brettern des Elendsviertels „Chacarita“. Wenn die Volksvertreter über neue Gesetze debattieren, haben sie stets die Armseligkeit im Rücken. Und wenn der Präsident aus dem rückwärtigen Fenster des etwas nördlicher gelegenen Regierungspalastes schaut, blickt er direkt in den Rachen der Misere. Diese Reportage schrieb ich nach einem Paraguay-Besuch 2009. Mittlerweile hat sich einiges geändert an der Slum-Front. Der Präsident schaut nicht mehr auf […]

„Rock ist Kultur, Regaeton ist Agrikultur“

Die Clique am Denkmal liebt das Land, die harte Rockmusik und verabscheut Regaeton, Cumbia und die Emus. Sie sehen sich als einen „tribu urbana“, einen Stamm aus der großen Wildnis Stadt, als eine pandilla de roqueros, eine Rocker-Clique. 34 Grad auf der „Plaza Libertad“, ein lauer Spätnachmittag im Zentrum Asuncións. Bei einem ambulanten Mate-Tee-Verleih „leasen“ wir einen eisgekühlten Tereré mit Yuyos (Kräutern). Eine Promotion-Firma auf der Plaza lädt zum Biertesten ein. Viele, die hier abhängen, folgen dem Ruf der Werbeagentur. Sie bekommen einen Pappbecher des kühlen Gerstensaftes gereicht und müssen dafür einen Fragebogen ausfüllen. Drüben am Denkmal lagert eine in schwarze T-Shirts gekleidete Gruppe von Jugendlichen. Hin und wieder kommt […]

Ronaldo kommt für „Schwarze Habichtfeder“

Fußball in Paraguay – von Horst Martens (Text) und Thomas Schmidt (Fotos) Paraguays Kicker: Im Staub lernen, von Europa träumen Sonntagmorgen in Cayin-o-Clim, einem Indianerdorf des Nivaclé-Volkes im knackig heißen Chaco. Aus den weit geöffneten Fenstern der schlichten Backsteinkirche erklingt „Großer Gott wir loben dich“. Das in der Ureinwohnersprache gesungene Kirchenlied schallt bis auf den staubigen Sandplatz etwa 200 Meter weiter, auf dem die Kinder Fußball spielen. Das Leder war vor vielen Jahren wohl ein richtiger Ball, das Spielfeld ein Gemüseacker. Eine zentimeterdicke Staubschicht dämpft die Schlaglöcher. Begeistert laufen vier- bis zwölfjährige Mädchen und Jungen der Pelota hinterher. Zwischendurch kommt ein zweiter Ball ins Spiel, was niemanden stört. Wie überall […]